Sia Korthaus …

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… behauptet, dass auch Glückskekse krümeln und tritt den Beweis an diesem regnerischen 07.10.2011 im Festsaal des Landgasthauses Herchenbach an.

Zur Begeisterung der Gäste schlüpft sie dafür in viele unterschiedliche Frauenrollen. Sie ist mit Lockenperücke die "Sanella von Astra-TV" und präsentiert hier Ratschläge auch zum eigenen Liebesleben auf der Basis der Schaumkrone eines frisch eingeschenkten Kölschs.

Mit einer weißen Schürze ist sie wenige Sekunden später die Metzgersgattin, die vom Fußballabend des Ehemannes und seiner 3 Freunde berichtet, der abrupt in der 89. Spielminute endet, weil die wegen doofer Fragen in die Besenkammer verbannte Gattin ebendort zur Herrin über das Fernsehkabel wird und dieses eine Minute vor dem Spielende zieht.

Zwischendurch dann ein kurzer, aber genialer Witz, den ich einfach aufschreiben muss. "Warum gehen Ameisen nicht in die Kirche? Sie sind ja IN-SEKTEN."

Und dann ist sie eine atemberaubende Sängerin, die ein sehr zartes und zum Nachdenken animierendes Liebeslied präsentiert, das in der hoffentlich fernen Zukunft spielt und in dem sich die Verliebten wegen der Schutzanzüge noch nicht einmal küssen können.

Nur Sekunden später ist sie ein Dingsda-Kind, das die Politik erklärt. Wer da als Frau keine wasserfeste Wimperntusche hat, ähnelt am Ende des 1. Teils einem Pandabär.

Nach dem notwendigen Luftholen in der Pause folgt ein wunderbarer Bericht über ihre WG-Erfahrung, die weniger wild als absolut nervend war mit Regeln für alles.

Aus dieser schrecklichen WG geht es ab in die Disco mit Tänzen der 42 Jahre, die Sia schon auf der Welt ist. BRAVOURÖS.

Dann sinniert sie über die heutzutage sehr fitten Best-Ager und stellt die Frage, ob Breakdance bei einem 65-Jährigen mit neuer Hüfte nicht eine völlig neue Bedeutung erlangt. Sie weist auf den Jugendwahn der älteren Generation hin, der auch nicht vor einer Zahnspange über den dritten Zähnen Halt macht.

In der nächsten Minute verwandelt sich Sia Korthaus erneut und präsentiert beeindruckend einfühlsam die Ballade der Geliebten, die sich nicht traut, ihren Geliebten zu einer Entscheidung zu drängen, weil sie Angst vor seinem Satz hat: "Es war heute das letzte Mal".

Und schwups sind wir nur einen Wimpernschlag später gemeinsam mit ihr auf dem von Sensoren wimmelnden Klo einer Raststätte, bei der man sich nur in bestimmte Richtungen bewegen darf, wenn man verhindern will, dass der eigene Po in die automatische Reinigung der Klobrille einbezogen wird.

Die letzten Stationen ihrer wunderbaren Beschreibungen von Alltagssituationen führen uns zum Kind der Nachbarn, das von ihr auf den Namen "Mokka" getauft wurde – weil es sie mit seinem Geschrei die ganze Nacht wach hält.

Und wenn wir schon mal beim Thema Kind sind, gönnt uns Sia Korthaus auch noch den Monolog der Metzgersgattin mit der jungen Mutter, deren Kind durch eine künstliche Befruchtung entstanden ist. Auszug aus dem Fragenkatalog der Metzgerin: "Na Kleiner, war es denn kalt im Reagenzglas?"

Die Gäste danken es mit Lachsalven und stürmischem Applaus. Auch beim letzten Monolog zwischen Tochter und Mutter, den wohl jede Frau kennt. "So dünn angezogen gehst Du mir nicht vor die Tür" – und das zur Tochter, die keine 4, sondern 40 Jahre als ist. Wunderbar.

Wunderbar wie der ganze Abend mit einer ganz besonderen Künstlerin, die nicht nur sehr gute Texte schreibt, sondern sie auch toll präsentiert. Und die eine wundervolle Sängerin ist.

Wir danken Sia für diesen Abend und wünschen ihr eine ganz tolle Premiere des neuen Programms "VorLieben" am 16.10.2011 im Kölner Senftöpfchen.