… fragt Sebastian Pufpaff an diesem Abend im Landgasthaus Herchenbach nicht, sonst gäbe es ja auch ein Frage- und kein Ausrufezeichen.
Vielmehr beantwortet er Fragen des Lebens. Und das tut er brillant.
Zunächst aber erklärt er seinen Gästen, dass es sich bei „Pufpaff“ nicht – wie von vielen vermutet – um einen Künstlernamen handelt, da hätte er nämlich besser so einen wie Lars Vegas gewählt.
Mit diesem seinem richtigen Namen hatte er es als Kind schon nicht einfach und als Erwachsener auch nicht, zumal, wenn er ein Essen beim Bringservice bestellt. Weshalb er auch immer eine Dose Ravioli im Haus hat – falls der Service aus Verzweiflung die Pizza doch beim Nachbarn Müller abgibt, weil es ein Klingelschild mit „Buwbow“ halt nicht gibt.
Und wo er gerade beim Thema Kindheit ist, erklärt er auch direkt den Typ „Rötelmutti“ und „Erklärvater“. Beide Interpretationen beweisen, welch brillanter Beobachter und Erklärer der neue Stern am deutschen Kabaretthimmel ist. Er kann zwar auch „Comedy“, z.B. bei der Beschreibung seines Kindheitstraumas, als er aus dem Bällebad bei Ikea rausgeworfen wurde, da er die Bälle durch sein Übergewicht in Scheiben verwandelte.
Seine Eltern konnten also nicht – wie andere Eltern – ihren Nachwuchs im Ikea-Bällebad verstauen und dann ganztägig in Ruhe in Köln shoppen.
Das ist zum Brüllen komisch, auch wenn man vom Übergewicht heute noch nicht mal mehr etwas ahnen kann, so perfekt ist die Figur. Davon sieht man bei der imposanten Zugabe mehr, eigentlich alles.
Aber er kann neben diesen komödiantischen Einlagen sehr viel mehr, nämlich teilweise auch recht provokante Anstöße geben, Dinge und Ereignisse aus einer anderen Perspektive zu betrachten und sie damit völlig neu zu sehen.
Also beispielsweise die Kanzlerin mit den hängenden Mundwinkeln einfach umdrehen, denn dann lacht sie.
Was würde passieren, wenn man an der in einem Kölner Pflegeheim vorhandenen Pseudo-Bushaltestelle, an denen demente Menschen manchmal ganze Tage sitzen, mit einem gemieteten Bus vorfährt und die Menschen einsteigen lässt?
Und was wäre, wenn man alle Kinder so richtig fett füttert? Dann wären die Amokläufer unter den dann übergewichtigen Jugendlichen einfach nicht in der Lage, mit ihrer Pumpgun mehr als 5 Meter zu laufen. Fett würde also in solchen Fällen wirklich Leben retten.
Da bleibt einmal manchmal das Lachen im Hals stecken, aber das zeichnet auch wieder die Qualität der Beobachtungen und Schlussfolgerungen dieses intelligenten Kabarettisten aus.
Mit einer Geschichte aus der Kindheit entlässt er die vom Lachen erschöpften, aber gleichzeitig nachdenklichen Zuschauer in die Pause: Seine Eltern hatten ihm vor dem 1. Eishockeytraining empfohlen, im Fall eines Sturzes die Hände zur Faust zu ballen, damit die anderen ihm nicht die Finger mit den Schlittschuhkufen abfahren. Uhuhuuu – da kommt Gänsehaut auf. Nur weil er sein Training nach 2 Stunden mit geballten Fäusten ein für allemal beendet hat, kann er heute das Mikrofon mit 2 kompletten Händen halten.
Nach der Pause erklärt er dann seinen Zuschauern, warum Windräder so heißen: Es gibt nämlich immer nur dann Wind, wenn sie sich drehen.
Er fragt sich, wie blöd Jugendliche sein müssen, wenn sie sich ein Kölsch-Cola-Mix an der Tankstelle kaufen statt für ein Drittel des Preises einfach Kölsch und Cola zu mischen. Das sind aber wahrscheinlich dieselben, die beim Drehen an einem Flaschenverschluss scheitern. Einfach deshalb, weil es ein Kronkorken ist.
Es geht weiter mit Fragen wie „Wer hat das ABC sortiert?“ und „Warum steckt im Wort Sterben direkt das Wort Erben?“.
Er begeistert mit der Beschreibung eines Experimentes an der Universität von Harvard, in dem sich 9 Forscher durch Anschreien einer Geranie über einen Zeitraum von einer Woche davon überzeugen wollten, ob Blumen Gefühle haben. Und er fragt sich, warum der Teilchenbeschleuniger in Genf dann ausgeschaltet wird, wenn er ein Ergebnis liefert.
Sebastian Pufpaff ist anders als der durchschnittliche Kabarettist, denn er unterhält und informiert nicht nur, sondern animiert seine Zuschauer auch, einfach mal anders zu sein. Wenn der Mensch die Weiterentwicklung des Affen ist – warum gibt es den Affen dann immer noch?
Und dass er selbst auch anders sein kann als der seriöse Mensch im Anzug, das beweist er in einer umjubelten Zugabe. Hier kann ich nur auf die Bilder hinweisen, denn das muss man einfach gesehen haben.
Ich bedaure die Menschen, die am 17.06.2011 nicht das Vergnügen hatten, Sebastian Pufpaff hautnah in Eischeid zu erleben und zu genießen – sie haben Unterhaltung im besten Sinne und auf höchstem Niveau verpasst.
Aber wir sind optimistisch, dass Sebastian Pufpaff auch mit seinen bisherigen und zukünftigen Auszeichnungen seine Bodenhaftung behalten wird und mit seinem nächsten Programm wieder nach Eischeid kommt.
Wir würden uns sehr geehrt fühlen und freuen, denn er ist wirklich ein excellenter Unterhalter – und das nicht nur auf der Bühne.
Ein riesengroßes Dankeschön für einen traumhaft schönen Abend – der nachwirkt, Dinge auch mal aus einer anderen Sichtweise zu betrachten.
Weitere Infos gibt es auf der Homepage: www.pufpaff.de