… unter diesen Titel stellt Jürgen Beckers sein aktuelles Kabarettprogramm. Und ob Sie mir das jetzt glauben oder nicht: Diese Rezension wird völlig aus der Erinnerung geschrieben, weil es mir unmöglich war, während der Vorstellung einen Stift in die Hand zu nehmen.
Weil – beide Hände ständig gebraucht wurden, um Lachtränen abzuwischen, die klätschnasse Brille zu putzen oder den Bauch zu halten, der vor Lachen weh tat.
An diesem 2. Adventsonntagabend beweist Jürgen Beckers gemeinsam mit seinem Pianisten Harald Claßen, dass sie zu den besten gehören, was Deutschlands Kabarettbühnen zu bieten haben.
Alle Beschreibungen von Alltags-Situationen beweisen sowohl eine unglaublich genaue Beobachtungsgabe als auch eine Menge Humor, um diese Szenen so genial wiederzugeben.
Da ist die Beschreibung einer Klassenfahrt, die mit einem absoluten Alkoholverbot in Aachen beginnt. Bis Düren trinken die Schüler heimlich, ab Frechen dann schon offen und ab Köln greift dann auch der gestresste Lehrer zur Flasche.
Hinreißend ist die Szene mit der holländischen Matjesverkäuferin und das an sie und ihre wunderschönen Waden gerichtete Liebeslied – während des Vortrages haben die begeisterten Saalgäste freien Blick auf Beckers sehenswerte Wade.
Bei den Schilderungen seiner Nachbarschaft sieht man im Saal nur zustimmendes Nicken – jeder kennt einen, der genau so ist wie einer von Beckers Nachbarn, der den wichtigsten Satz in Deutschland ausspricht: „Sie können hier nicht stehen bleiben!!!“.
Er bricht – und das als Lehrer - eine Lanze für eine eher antiautoritäre Erziehung, in dem er seine Liebe für Pippi Langstrumpf offenbart und sich weigert, dieses tolle Mädchen in „urinierte Stretchsocke“ umzubenennen.
Mit dem wunderschönen Lied über und an Pippi Langstrumpf geht es dann in die Pause, die alle Gäste auch dringend benötigen, um mal wieder richtig durchzuatmen.
Damit ist dann direkt bei der ersten Szene des 2. Teils Schluss. Hier interpretiert der humorvollste Lehrer Deutschlands das Lied zur Sendung mit der Maus zuerst im Original-Ööcher-Dialekt und dann auf Russisch. Seit gestern weiß ich, dass Schnupfen in Aachen Klätsch heißt und freue mich deshalb auf den nächsten. Klätsch hatte ich nämlich noch nie.
Weiter geht es mit Beschreibungen und Interpretationen von beliebten Fernsehsendungen. Hinreißend die Beschreibungen alter Serien wie Lassie und Flipper und seine Schlussfolgerungen und Interpretationen. Und dann beweist dieser Mann, dass er auch noch ein Meister der Parodie ist. Seine Darstellung von Luis Trenker – GÖTTLICH.
Sprachliches Fein- und Beobachtungsgefühl beweist er, wenn er feststellt, dass es nur im Rheinland möglich ist, dass Kinder draußen spielen, obwohl eigentlich „kein Wetter ist“. Wo gibt es das sonst – kein Wetter ??
Oder wenn er beim Friseur 2 Frauen darüber sinnieren lässt, ob die eine die Haare schon lang kurz oder die andere sie kurz lang hatte.
Auch dass der Rheinländer Wortbeugungen hat, die es sonst nirgendwo gibt, steht mit dem Satz „Um so mehr ich tue, um so k.o.-er bin ich“ fest.
Seine Beschreibung, wie ein Lehrer einen Schaden an seinem Auto beschreibt, führt im Saal zur kollektiven Schnappatmung. Kaum hat man wieder ein wenig Luft, beschreibt Beckers eine Dessous-Party. Das kann man nicht beschreiben – das muss man von ihm selbst hören.
Genau wie ein Telefonat, in dem der rheinische Name Schmitz erstmals als Doppelname präsentiert wird. Bei der Erinnerung fange ich sofort wieder an zu lachen.
Und damit Sie das auch können, sollten Sie beim nächsten Mal einfach selbst dabei sein, wenn wir Jürgen Beckers und Harald Claßen wieder im Landgasthaus Herchenbach begrüßen dürfen.
Denn – sie kommen wieder. Ohne dieses Versprechen wären die Gäste im Saal bei stehenden Ovationen nicht bereit gewesen, die beiden nach mehr als 2 Stunden allerbester Unterhaltung aus dem Saal zu lassen.
Es war ein ganz besonderer Abend (die Gäste, die dabei waren, wissen, was ich meine und den anderen verrate ich es nicht) und wir bedanken uns bei Jürgen Beckers und Harald Claßen für ein paar traumhaft schöne Stunden.
Wir lieben Euch und freuen uns jetzt schon auf das nächste Mal. Jetzt wünschen wir Euch erst mal ein schönes Weihnachtsfest – und dann einen Silvesterabend ohne Fondue und Raclette !!!!
Ein ganz großes Dankeschön an Irmgard Formes, Ursula Yogeshwar, Peter Formes und Richard Saelzer – wir nehmen Euch jederzeit wieder mit offenen Armen und Ohren.