Gerd Köster und Frank Hocker mit Pete Haaser …

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… behaupten am 05.11.2010 bei ihrer Lesung mit Musik im Landgasthaus Herchenbach: „Tasse ha’mer jo noch“.

Diese Tassen sind ein wichtiger Bestandteil in der ersten Geschichte, die an Weihnachten 1945 spielt. Aber die wichtigste Rolle spielt an diesem Abend der Mann mit der schönsten Stimme von Köln und Umgebung: Gerd Köster.

Ich verneige mich vor seinem kongenialen Partner, dem Kölner Gitarrengott Frank Hocker und dem musikalischen Begleiter am Piano und „an d’r Quetsch“, Pete Haaser. Doch unbestrittener Mittelpunkt auf der kleinen Bühne ist Gerd Köster, der das begeisterte Publikum im ausverkauften Saal mit seinen erzählten und gesungenen Geschichten mit auf eine Reise ins alte und neue Köln nimmt. Und der auch einen Ausflug nach Afghanistan wagt mit seinem Lied „ Zwesche dä Daach“. Da werden aus Lachtränen in Sekundenschnelle Tränen des Entsetzens und des Mitgefühls mit dem jungen Soldaten aus Köln, der zu Weihnachten aus Afghanistan einen Brief an seine Eltern schreibt.

Nachdenkliche Momente gibt es an diesem Abend auch bei der gesungenen Geschichte eines ehemals Erfolgreichen, der jetzt arbeitslos ist ( „Wööschje“) und vor allem bei der Geschichte einer jungen Frau mit „Ze vill Gepäck“.

Gerd Köster kann beides – mit seinen Texten zu Tränen rühren und nur wenig später seine Fans in Lachkrämpfe zu treiben, wenn er den unvergleichlichen Einsatz der „Walberberger Feuerwehr“ beschreibt und die Neunkirchener nur hoffen können, dass ihre eigene freiwillige Feuerwehr den Brandherd schneller finden möge.

Für mich ist Gerd „Jächt“ Köster ein Menschenfänger, der die Menschen mit Worten gefangen nimmt. Das sind überwiegend eigene Worte, aber auch einige Texte von kölschen Autoren wie z.B. Heinz Weber und die ins Kölsche „übersetzte“ wunderbare Geschichte von Robert Gernhardt „Erna“, die von einem botanischen Drama am Heiligen Abend erzählt. Und mit dieser Geschichte in Kölsch, Hochdeutsch, Sächsisch und Schwäbisch setzt Gerd Köster einen fulminanten Schlusspunkt an das Ende der musikalischen Lesung. Zuvor hat er natürlich zusammen mit Frank Hocker dem Riesling eine Hymne gesungen mit dem Fast-Schon-Klassiker „Fuck Chardonnay“. Der Riesling in den Gläsern auf der Bühne stammt übrigens stilecht vom Lieblingswinzer Uli Stein aus Alf an der Mosel.

Köster ist absolut authentisch bei allem, was er tut, singt und sagt. Das in der Anmoderation vorgeschobene Argument ( FÜR den leidenschaftlicher Raucher Köster in einem Saal mit Rauchverbot) „die eine oder andere Zigarette muss aus literarischen Gründen geraucht werden“ macht er im ersten Satz platt: „ Ich rauche hier nicht aus literarischen Gründen – ich rauche hier aus Frack.“

So ist Köster live und „in echt“ und genau so wollen ihn seine Fans haben und lieben ihn dafür.

Pur, ehrlich und – KÖLSCH.

Und mit seinem wunderbaren Kölsch erzählt er z.B. in „Dr Papa“ die Geschichte eines Lehrers, der die Zeugnisnote auch schon mal nach dem Wohnort des Schülers oder seinem Bekanntheitsgrad vergibt.

Genauso schön sind die Krätzje, die er gemeinsam mit Frank Hocker interpretiert. Jeder im Saal hat bei „Urlaub“ die geschilderte Familie – bestehend aus Walter, Ute und 3 Töchtern, die alle Marlene heißen – vor dem inneren Auge. Während aus dem äußeren Auge die Lachtränen fließen.

Es ist ein wunderbarer Abend und er ist leider „schon“ gegen 23.00 Uhr vorbei, zu früh für alle Köster-Hocker-Fans, die aber trotzdem dankbar für den Besuch der beiden am schönen Arsch der Welt sind und sich über ein Wiedersehen und –hören genau hier riesig „freue dätte“.

Wir bedanken uns bei Gerd Köster, Frank Hocker und Pete Haaser für einen phantastischen und wirklich außergewöhnlichen Abend.