„Das Beste“ …

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… aus seinen 3 bisherigen Solo-Programmen bringt Bill Mockridge am 22.01.2010 auf die kleine Bühne im Landgasthaus Herchenbach – und die Gäste im ausverkauften Saal danken es ihm tränenreich.
90 % dieser Tränen entstehen aus dem Lachen über seine Schilderungen aus dem Alltag eines nicht mehr ganz jungen Mannes der Generation Best-Ager ( das sind die ab dem 60. Lebensjahr, die ab 80 werden dann als Rest-Ager bezeichnet und die über Hundertjährigen als Rest-in-Peace-Ager).

Diese Generation ist der Ansicht, dass es sinnvoller ist, das Gras zu rauchen als in selbiges zu beißen und erinnert sich genussvoll der guten alten Zeit, in der Sex & Drugs & Rock’n Roll das Leben bestimmten.

Aus dieser Epoche gerettet sind kurze Sequenzen aus den alten Rock-Songs der Rolling Stones, mit denen Bill heute sein Stöhnen und Ächzen beim Hinsetzen und Wiederaufstehen kaschiert. Kniegelenke kennen halt keine Gnade und können auch nicht geliftet werden wie die Gesichtshaut, auch wenn in diesem Fall die eine oder andere Kollegin erst mal das Knie anwinkeln muss, bevor sie lächelt. Warum? Weil sonst die Gefahr besteht, dass die allzu straff gespannte Haut platzt.

Bill nimmt sein Publikum mit auf eine Achterbahnfahrt durch den Alltag eines 6-fachen Vaters und immer noch sehr verliebten Ehemannes einer Powerfrau, die auch schon mal gerne 7 verschiedene Themen in einem einzigen Satz unterbringt und ebenfalls immer noch sehr verliebt darüber hinweg sieht, dass ihr Bill alles verliert – außer seinem Gewicht.

Göttlich ist die Schilderung der von Herrn Dr. Delfenthal verordneten Diät ohne Alkohol, Fett, Salz, Süßes mit 0 Kalorien. Noch göttlicher wird allerdings die Schilderung, in der diese Diät nach und nach um die Fleisch-Diät, die Saft-Diät und die Kartoffeldiät angereichert wird.

Am Ende dieser Diäten-Sammlung sind nicht nur die bei der zuvor überstandenen Valium-Diät ( alle 4 Stunden eine Tablette und die Hand erreicht nie den Mund ) verlorenen 5 Kilo wieder glücklich auf Bills Hüften angekommen. Sie sind nämlich so froh, wieder „ zu Hause“ zu sein, dass sie 5 Freunde mitgebracht haben.

Aber Bill kann auch andere Geschichten erzählen und die treiben seinem Publikum auch Tränen in die Augen. Die entstehen aber aus der Rührung über die Feinfühligkeit dieser Geschichten.

Wie der aus Bills Kindheit in Kanada, als er – erstmals allein zu Hause – seine Sorgen dem Telefon anvertraut. Oder besser – dem Operator. Denn in den 50er-Jahren hingen die Telefone noch an der Wand und man konnte die gewünschte Nummer nicht einfach selbst wählen, sondern bat den Operator um die Verbindung.

Und dieser Operator war eine Frau, die den kleinen Bill über 1 ½ Jahre durch seinen Alltag begleitete und auf all’ seine Fragen Antworten wusste. Und ihn tröstete, als sein Vogel eines Morgens tot im Käfig lag und ihm versprach, dass der jetzt in einer anderen und vielleicht besseren Welt singen würde.

10 Jahre später hat Bill dann noch einmal mit dieser klugen Frau telefoniert und sich vorgenommen, sie zu besuchen.

Doch 3 Wochen später war es zu leider zu spät. Die kluge Sally war gestorben, hatte ihm aber die Nachricht hinterlassen, dass sie immer noch an die andere Welt glaube.

In dieser Geschichte zeigt sich die ganze Bandbreite seines Könnens. Ebenso wie in der Erzählung von seiner Begegnung mit dem alten Mann am Rhein, der vor gut 19 Jahren 1004 Glasmurmeln in ein großes Glas gelegt hat — für jeden Samstag bis zu seinem 75. Geburtstag eine Murmel. Jeden Samstag wurde eine Murmel herausgenommen und er konnte so sehen, wie schnell die ihm zustehende statistische Lebenszeit verrinnt.

Und der an diesem Morgen seine letzte Murmel herausgenommen und beschlossen hatte, dass die kommende, also eigentlich geschenkte Zeit über die statistische Lebenserwartung hinaus die schönste Zeit seines Lebens werden würde.

Da muss man schon schlucken — aber Bill nimmt seine Gäste sofort aus dieser nachdenklichen Stimmung mit in die Schlussnummer nach knapp 3 Stunden, in der er einen Pessimisten und Optimisten gegenüberstellt und die Gäste im Saal davon überzeugt, dass Optimisten einfach glücklicher sind.

Bill ist Optimist — und er ist ein Künstler zum Anfassen. Und genau das tut er, als er sich bei jedem seiner Gäste an diesem Abend mit Handschlag verabschiedet und bedankt.

Wir bedanken uns bei Bill Mockridge für einen wunderbaren Abend.