präsentiert Andreas Etienne am 23.04.2010 im Landgasthaus Herchenbach und nach gut 2 Stunden bester Unterhaltung haben die Gäste zwar keine Blumen im Haar, aber stattdessen unzählige Lachtränen in den Augen.
Die Reise durch die besten Nummern der letzten 10 Jahre Soloprogramm beginnt in Bottrop, wo Etienne vom Bühnenboden aus durch die Ritzen in den Keller schauen kann und dem Theaterhausmeister deshalb zu einer Renovierung rät und die Antwort bekommt: „Sie sind sowieso der letzte, morgen wird das Ganze hier ohnehin abgerissen“.
Ganz aktuell wird Etienne mit seinem Vorschlag, Politiker international zu tauschen und so jedem Regierungschef das Land zu überlassen, das zu ihm passt.
Danach wäre Italiens Berlusconi im Fürstentum Liechtenstein hervorragend aufgehoben und unseren Außenminister Westerwelle sieht Etienne als König von Tonga – umringt von schönen Männern mit nicht viel an.
Die Ur-Springmaus Etienne berichtet weiter über Messis, zu denen er sich nicht zählt, weil er einen kompletten Schrank für seine Sammlung von Plastiktüten als normal ansieht.
Er begeistert seine Zuschauer, als er von einer Zeit erzählt, in denen Briefe noch auf einer Schreibmaschine mit dem schönen Namen „Gabriele“ verfasst wurden und der Schreiber diesen
Brief ganz ohne Hilfestellung durch 3456 PC-Schreibprogramme störungsfrei formulieren durfte.
Auch die Schilderung seines einmaligen Einkaufes in einem großen schwedischen Möbelhaus – seit dieser Zeit ist er eingeschriebener IKEA-Gegner – und der Versuche, die Vitrine zusammen zu bauen, ist genial. Einschließlich der Lösung: Er hat das Teil einfach verschenkt. Allerdings war die Beschenkte mit dem Aufbau der Vitrine ebenso überfordert und deshalb ruht der Bausatz heute auf dem Boden des Dümmer Sees.
Eine wunderbare Erzählung reiht sich an die nächste, ob es die Schilderung eines Besuches in der Blauen Grotte auf Capri ist, bei dem riechbar das Deo des „tüppischen“ Gondoliere versagt hat oder die berühmte Geschichte vom toskanischen Pecorino.
Und dann die Geschichten aus seinem Alltag wie die, als er in einem Freiburger Theater mit einem vollen Kranz Kölsch in der Hand die Tür zur falschen Bühne erwischt und mitten in Brechts „Mutter Courage“ landet. Oder die Geschichte einer Freundin, die den Schaden an ihrem Zaun in einem Brief an die Versicherung so beschreibt, dass die Gäste im Saal vor Lachen fast ersticken.
Auch kleine Notizen aus der Zeitung werden von Andreas Etienne eindrucksvoll wiedergegeben. Wie die von den beiden Männern, die in einen Hallenbad einbrechen ( da sind die Aussichten auf reiche Beute ja besonders groß !!! ), dort im Dunklen in das Schwimmbecken fallen, in dem sich gerade KEIN Wasser befindet, sich aus eben diesem Grund jeweils ein Bein brechen, das auch noch an einem Samstag passiert und die Herren daher bis Montag im leeren Schwimmbecken warten müssen, bis der Bademeister das Schwimmbad wieder betritt und als erstes – genau: Das Wasser ins Becken einlässt.
Tosender Beifall. Genau wie für die beiden wunderbaren Geschichten von Oma Keltenbach, in der es einmal um den elektronischen Betreuer – auch in Liebesdingen – geht und einmal um den ausgesprochen trickreichen Versuch der alten Dame, ihren Sohn am Telefon davon zu überzeugen, dass dieser sie doch wieder mit in den Urlaub nehmen sollte. Sie fährt – NATÜRLICH – wieder mit, wie jedes Jahr.
Etiennes Vorschläge zur Verbesserung der städtischen Finanzen in seiner Heimatstadt Bonn sind hinreißend: Eine Kommune muss auch mal Anreize schaffen, also z.B. zum 100. Knöllchen einen Sektempfang im Rathaus spendieren, für einen Betrag von 100 € darf der Autofahrer einmal pro Woche mit 130 km/h durch den Godesberger Tunnel fahren und in der Fußgängerzone parken, happy hour für Falschparker = halber Preis.
Und dann berichtet er noch über ein weiteres Original der Gattung Hausmeister aus Köln-Mülheim. Der hatte sich schon beim Bühnenaufbau vor der Veranstaltung nicht durch Übereifer ausgezeichnet und schlich im 2. Teil des Programms zu Andreas Etienne auf die Bühne, um ihm dort ins Ohr zu flüstern: „Sie sind zu lang. Und ich habe jetzt Feierabend. Ich bin dann jetzt weg. Ziehen Sie einfach die Tür zu, wenn Sie fertig sind.“
Gut, dass einem Künstler das im Landgasthaus Herchenbach nicht passieren kann. Hier wird kein Künstler von der Bühne vertrieben und deshalb fließt an diesem außerordentlich unterhaltsamen Abend die letzte Lachträne auch erst gegen 22.30 Uhr.
Wir danken Andreas Etienne für seinen wunderbaren Auftritt.